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Sam Chartouni neben Produktionsanlagen von Aerobel

Limburger Aerobel investiert 30 Millionen Euro in die Produktion von Superdämmstoff

Aerobel investiert 30 Millionen Euro in Produktionskapazitäten für den Dämmstoff Aerogel. Das 3,5 Jahre alte Limburger Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, das diese „Superdämmung“ für Bauanwendungen erschwinglich machen soll.

Aerobel sieht eine große Zukunft für Aerogel, einen Dämmstoff, der vor rund 100 Jahren vom amerikanischen Ingenieur Samuel Kistner erfunden wurde, bislang aber nur in hochwertigen Nischenanwendungen zum Einsatz kam, etwa bei der Isolierung von Raumanzügen. Für alltäglichere Anwendungen, beispielsweise als Dämmschaum im Bauwesen, fehlte ein Verfahren, das eine kostengünstige Massenproduktion ermöglichte.

Das Wesentliche

  • Das Limburger Unternehmen Aerobel investiert 30 Millionen Euro in die kommerzielle Produktion des Dämmstoffs Aerogel.
  • Das Unternehmen zielt zunächst auf die Baubranche und arbeitet unter anderem mit einem niederländischen Anbieter von Dämmungslösungen zusammen.
  • Die Baustoffgruppe Fedrus unterstützt die Expansionspläne mit Kapital und Know-how.

Das Scale-up Aerobel erklärt, diese Produktionsmethode gefunden zu haben. Es überzeugte mehrere größere Geschäftspartner, sich an seinem Vorhaben zu beteiligen. Die in Puurs ansässige Baustoffgruppe Fedrus International stellt einen Teil der 30 Millionen Euro bereit, die Aerobel für den Aufbau seiner ersten kommerziellen Produktionslinie benötigt. Das Aerogel soll unter dem Markennamen Terragel vermarktet werden.

Aerobel hat bereits mehrere strategische Partner gefunden, die Absichtserklärungen zur Arbeit mit dem Produkt unterzeichnet haben. Einer der wichtigsten ist die niederländische Gruppe Takkenkamp, die auf nachhaltige Dämmung spezialisiert ist. Das Unternehmen will das Aerogel für eine Hohlraumdämmung einsetzen, die so gut isoliert, dass eine separate Außendämmung der Fassade nicht mehr erforderlich ist.

Energieeffizienter

„Der Produktionsprozess umfasst sechs Schritte, von denen fünf weitgehend bekannt und einer völlig neu ist.“ — Sam Chartouni, CEO Aerobel

Was sein Verfahren so besonders macht, kann Mitgründer und CEO Sam Chartouni nicht im Detail verraten. „Der Produktionsprozess umfasst sechs Schritte, von denen fünf weitgehend bekannt und einer völlig neu ist“, sagt er. „Wir haben es außerdem geschafft, den Prozess energieeffizienter und schneller zu machen. Ein Produktionszyklus dauert bei uns 2 Stunden, gegenüber 8 bis 12 Stunden beim klassischen Verfahren.“

Aerogel besteht zu 95 Prozent aus Luft. Dadurch ist es sehr leicht, besitzt aber dennoch eine hohe Tragfähigkeit. Es wird aus Siliziumdioxid hergestellt, einem reichlich verfügbaren Rohstoff, der aus Abfallströmen, unter anderem aus der Glasindustrie oder aus Glaswolle, zurückgewonnen werden kann. „Wir verwenden keine giftigen Lösungsmittel und keine erdölbasierten Chemikalien. Da Aerogel wasserabweisend ist, hält es lange und eignet sich für die Kreislaufnutzung“, sagt Chartouni. Er will das Produkt als nachhaltige Lösung auf dem Markt positionieren.

Ein transparentes Stück Aerogel in einer behandschuhten Hand

Aerobel will den Dämmstoff auch als nachhaltige Lösung auf dem Markt positionieren. © Debby Termonia

Zunächst ist jedoch eine Skalierungsphase erforderlich, ein riskanter und unsicherer Schritt auf dem Weg zur Massenproduktion. „Das ist nicht selbstverständlich, denn es handelt sich um ein komplexes Produkt, bei dem mehrere chemische Reaktionen gleichzeitig stattfinden“, sagt Chartouni. „Wir gehen aber auch nicht sofort vom Labor in den industriellen Maßstab. Wir haben bereits eine Pilotanlage gebaut, die 300-mal mehr produzieren kann als im Labormaßstab. In der nächsten Phase wollen wir noch einmal um den Faktor 60 wachsen. Abhängig von der Nachfrage können wir später um einen weiteren Faktor 10 skalieren.“

Bindemittel

Das Scale-up verfügt bereits über Erfahrung mit kommerzieller Produktion. Es hat zwei Produkte auf dem Markt: Aerobinder, die als Bindemittel in Dämmsystemen verwendet werden. Diese Produkte werden bereits in zehn Ländern verkauft und brachten dem Unternehmen kürzlich einen Podiumsplatz beim Limburger Exportpreis von Voka Limburg ein.

Chartouni erklärt, in Belgien produzieren zu wollen, um die Qualität zu sichern. In den kommenden Jahren plant er rund 50 Neueinstellungen, „sowohl gering als auch hoch qualifizierte Arbeitskräfte“.

Pipelines

Aerobel gibt sich zwei Jahre Zeit, um seine Produktionsanlage zu bauen. Zunächst soll sie am Standort Genk entstehen, doch das Unternehmen berücksichtigt eine Erweiterung an einem anderen Standort in Limburg. Innerhalb von fünf Jahren will Aerobel 845.000 m² Aerogel produziert haben, genug, um 8.500 Häuser zu dämmen. Das niederländische Unternehmen Takkenkamp hat eine Option auf dieses gesamte Produktionsvolumen genommen.

Aerobel konzentriert sich auf die Baubranche, schließt aber nicht aus, mit seiner Dämmung später auch andere Märkte anzusprechen. Das Material wird außerdem zur Isolierung von Öl- und Gaspipelines eingesetzt. Da aufgrund des hohen Dämmwerts nur eine dünne Dämmschicht erforderlich ist, hilft Aerogel, das Gewicht der Leitungen zu senken. Auch für Batterien kann es interessant sein, da es erst bei sehr hohen Temperaturen schmilzt oder sich entzündet.

Aerobel

  • Gegründet im März 2020. Im April 2023 zog das Unternehmen von Bilzen nach Genk.
  • Management: Sam Chartouni (CEO und Geschäftsführer), Niels Diepvens (Finanzdirektor und Geschäftsführer), Steve De Pooter (Technologiedirektor) und Tom Vandermeeren (Forscher).
  • Das Unternehmen beschäftigt zwölf Personen. Laut Chartouni erzielt Aerobel mehr als 1 Million Euro Umsatz.

Ursprünglich verfasst von Wim De Preter und am 10. Oktober 2023 in De Tijd veröffentlicht.

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